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Was macht ein Agile Coach?

Was macht ein Agile Coach?
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Agile Methoden des Arbeitens stehen bei vielen Unternehmen ganz oben auf der Hitliste. Längst sind es nicht mehr nur Software-Entwickler, die sich Agilität auf die Fahnen schreiben. Auch andere Projekte ohne nennenswerte IT-Beteiligung werden agil aufgezogen oder bekommen zumindest ein entsprechendes Mäntelchen umgehängt. Nur eine Modeerscheinung, ein fortschrittlich klingender Begriff, alter Wein in neuen Schläuchen? Das kann passieren, wenn agile Methoden angewendet werden, ohne das dahinterstehende Denken zu verändern. Eine Agile Coach hilft, sich auch innerlich vom klassischen Wasserfall-Modell aus Planung, Umsetzung, Test und Implementierung zu verabschieden.

Der Mensch im Mittelpunkt

In jeder Grundlagenschulung zu agilem Arbeiten wird betont, wie sehr der Mensch im Mittelpunkt eines erfolgreichen agilen Projekts stehen muss. Nun kommt aber nur ein kleiner Anteil der Mitarbeitenden frisch aus der Ausbildung oder von der Uni. Den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen, bedeutet also zunächst einmal, auch die Kolleg*innen mitzunehmen, die über Jahre und Jahrzehnte eine völlig andere Arbeitswelt gewohnt waren. Dazu bedarf es besonderer Fähigkeiten, die in einer speziellen Agile Coach Ausbildung erlernt werden. Eine Schulung zu agilen Methoden allein befähigt noch lange nicht, die Rolle eines Beobachters, Lehrers und Mentors zu übernehmen.

Über alle Hierarchieebenen hinweg

Coaching ist ein sehr vager Begriff. Man kennt ihn in erster Linie aus dem Fußball und würde ihn dort mit Trainer übersetzen. Bleiben wir bei dem Fußball-Vergleich: Was macht einen guten Trainer aus? Er ist Experte, vielleicht ein ehemaliger Spieler, und weiß deshalb, was zu tun ist. Er beobachtet die Spieler, ist aber nicht nur Lehrer und Berater, sondern auch Partner – ein Spiel lässt sich nur gemeinsam gewinnen. Und der Trainer hat eine Vision – die Meisterschaft, den Turniersieg. Dieses Zukunftsbild muss er der Mannschaft vermitteln, sie auf seinen Weg mitnehmen. Wirklich erfolgreich ist er nur, wenn der ganze Club hinter ihm steht, von den Spielern bis zum Vorstand. Nicht anders ist es in einem Unternehmen, das sich agil aufstellen möchte. Das agile Team muss selbstverständlich mitspielen. Aber auch die Führungskräfte, das mittlere Management, müssen sich an die veränderten Rollen gewöhnen. Und schließlich müssen Top Management und gegebenenfalls die Mitbestimmungsgremien die agile Organisationsentwicklung unterstützen. Der Agile Coach ist auf allen Ebenen und in diversen Coaching-Feldern aktiv, von den bereits erwähnten Menschen über Prozesse und Technik bis hin zum Produkt.

Theorie und Praxis

Eine Ausbildung zum Agile Coach darf nicht nach ein paar Theoriestunden zu Ende sein. Von erfahrenen Coaches kann man viel lernen, aber noch mehr lernt man in der Praxis. Netzwerken in einer agilen Community schafft die Möglichkeiten, sich in anderen Bereichen des eigenen Unternehmens oder in einem fremden Betrieb umzusehen, dort in einem agilen Team zu hospitieren. Ein freiberuflicher Agile Coach kommt so vielleicht an erste Aufträge. Auf diese Weise bleibt der Coach ganz automatisch selbst agil – mit jedem neuen Coaching startet er die Feedback-Schleife, lernt selbst hinzu und entwickelt sich weiter.

Bild: Bigstockphoto.com / JacobLund